In der NDR-Sendung „Markt“ hat ein Testkäufer in zehn Apotheken die Beratungsqualität kontrolliert. Eine betroffene Inhaberin verteidigt das Angebot und betont, dass die Preise in allen Bereichen gestiegen seien. Sie fordert von dem Sender eine Stellungnahme.
Für das NDR-Format „Markt“ wurden zehn Apotheken in Norddeutschland besucht und nach Mitteln gegen leichtes Halskratzen gefragt. Das Ergebnis: große Preisspannen, unterschiedlichste Empfehlungen, kaum Nachfragen zum Krankheitsbild, keine Zusatzhinweise. In nur zwei von zehn Apotheken habe sich das Team gut beraten gefühlt, heißt es in dem Bericht. „In den anderen hatten wir den Eindruck, dass es eher ums Verkaufen ging.“
Birgit Zimmermann von der Pharmazeutix Apotheke auf dem Rhen in Henstedt-Ulzburg will das nicht unkommentiert lassen. Ihre Apotheke sei in dem Bericht „mehrfach gezeigt“ worden. Der Beitrag sei „mehr als kritisch“ zu sehen, da der Kunde mit Salbeibonbons definitiv unterversorgt sei, betont sie. „Wünscht der Mensch keine Beratung durch Fachpersonal könnte er ja gleich Bonbons im Supermarkt kaufen, statt die Apotheke mit dem Wunsch nach Arzneimitteln zu besuchen.“ Eine Medizinerin war in dem Bericht zum Ergebnis gekommen, dass man sich bei leichtem Halskratzen OTC-Produkte sparen und auf Bonbons setzen könne.
Die Inhaberin betont in einem Schreiben an den NDR, dass die Apotheke die „niedrigschwellige Anlaufstelle für kranke Menschen“ sei, die nicht gleich in der Arztpraxis ein Antibiotikum verschrieben bekommen haben wollten oder heutzutage oft gar keinen Termin mehr bekämen. „Das dient der Entlastung des Systems! Als Heilberufler versorgen wir nach bestem Wissen und Gewissen, wünschen, das unser Gegenüber schnell wieder gesund wird und stehen als Ansprechpartner rund um die Uhr vor Ort zur Verfügung.“
Allerdings scheint es weiterhin unbekannt, „was wir alles für die Gesundheitsversorgung und Gesellschaft leisten.“ Zimmermann appelliert: „Darüber sollten Sie eventuell eher einmal berichten.“ Apothekenpreise seien ohnehin „Schnee von gestern. Ganz im Gegenteil ist viel mehr Spiel drin, seitdem die Preise für OTC-Arzneimittel seit 2004 frei zu kalkulieren sind.“
Generell sei dem Redaktionsteam bestimmt bekannt, dass es Preissteigerungen in allen Bereichen gebe. Zimmermann betont, sie wünsche sich eine Stellungnahme und Rückmeldung. Bis dahin arbeitet sie laut eigenem Bekunden „weiter engagiert als Heilberufler, Gesundheitsdienstleister und Geschäftsfrau vor Ort“.